Betriebliche Altersvorsorge

Eine Zusage, die Fachkräfte hält – und die Sie nicht einholt

Seit 2022 schulden Arbeitgeber bei jeder Entgeltumwandlung 15 Prozent Zuschuss – auch für Verträge, die lange vorher geschlossen wurden. Wir bauen betriebliche Versorgungswerke in Nürnberg, Fürth und Erlangen so auf, dass sie rechtssicher sind und im Arbeitsmarkt tatsächlich etwas bewirken.

Was Arbeitgeber schulden

Ein eigenes Versorgungswerk müssen Sie nicht anbieten. Sobald aber ein Beschäftigter Entgeltumwandlung verlangt, greift § 1a BetrAVG: Der Anspruch besteht bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, und Sie müssen einen Durchführungsweg zur Verfügung stellen.

Der Punkt, an dem es in der Praxis klemmt, ist der Zuschuss. § 1a Abs. 1a BetrAVG verpflichtet Sie zu 15 Prozent des umgewandelten Betrags, soweit Sie dadurch Sozialversicherungsbeiträge sparen. Für Neuzusagen gilt das seit 2019, für alle Bestandszusagen seit dem 1. Januar 2022. Wir sehen bis heute Betriebe, in denen dieser Zuschuss nie umgesetzt wurde – er ist damit nicht erledigt, sondern läuft auf. Auffällig wird das spätestens, wenn ein Mitarbeiter ausscheidet oder eine Betriebsprüfung ansteht.

Dazu kommt die Haftung aus der Zusage selbst: Der Arbeitgeber steht nach § 1 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG für die zugesagte Leistung ein, auch wenn der Versorgungsträger sie nicht erbringt. Welchen Durchführungsweg Sie wählen, ist deshalb keine Formsache.

Was ein sauberes Versorgungswerk regelt

  • Wer teilnahmeberechtigt ist – und ab welcher Betriebszugehörigkeit.
  • Wie hoch der Arbeitgeberanteil ist, über den Pflichtzuschuss hinaus.
  • Welcher Durchführungsweg genutzt wird und bei welchem Anbieter.
  • Was beim Ausscheiden passiert: Übertragung, private Fortführung oder Beitragsfreistellung.
  • Wie Elternzeit, Krankheit und unbezahlter Urlaub behandelt werden.
  • Wie neue Mitarbeiter aufgenommen werden, ohne dass jedes Mal einzeln verhandelt wird.

Ohne diese Regeln wird jede Einstellung zur Einzelfallfrage – und genau daran scheitern die meisten bAV-Modelle in kleinen Betrieben.

Die fünf Durchführungswege

Direktversicherung

Der pragmatische Standard für kleine und mittlere Betriebe: bilanzneutral, verwaltungsarm, beim Arbeitgeberwechsel am leichtesten mitzunehmen. Beiträge nach § 3 Nr. 63 EStG bis acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei.

Pensionskasse

Steuerlich wie die Direktversicherung behandelt, oft über Branchenlösungen organisiert. Der Blick auf die Finanzstärke des Trägers lohnt – bei einzelnen Kassen mussten Leistungen in den vergangenen Jahren gekürzt werden.

Pensionsfonds

Freiere Kapitalanlage, entsprechend höhere Renditechance und höhere Schwankung. In der Praxis vor allem bei der Auslagerung bestehender Direktzusagen relevant.

Unterstützungskasse

Erlaubt hohe Dotierungen ohne die Grenzen des § 3 Nr. 63 EStG – deshalb das übliche Instrument für Geschäftsführer und Führungskräfte. Verwaltungsaufwand und Insolvenzsicherung über den PSVaG gehören dazu.

Direktzusage

Das Unternehmen sagt die Leistung selbst zu. Größter Gestaltungsspielraum, aber die Verpflichtung steht in Ihrer Bilanz – ein Punkt, der spätestens beim Unternehmensverkauf zum Thema wird.

Für Arbeitnehmer

Entgeltumwandlung senkt heute Steuern und Sozialabgaben, im Alter wird die Rente voll besteuert und bei gesetzlich Versicherten mit Kranken- und Pflegebeiträgen belastet. Ob sich das rechnet, hängt am Zuschuss des Arbeitgebers und an Ihrer persönlichen Lage. Wir rechnen beide Seiten vor.

Häufige Fragen zur betrieblichen Altersvorsorge

Ist betriebliche Altersvorsorge für Arbeitgeber Pflicht?

Eine bAV von sich aus anzubieten, ist nicht verpflichtend. Verpflichtend ist die Reaktion darauf, wenn ein Beschäftigter sie verlangt: Nach § 1a BetrAVG hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltumwandlung bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze. Kommt jemand mit diesem Wunsch, müssen Sie einen Durchführungsweg anbieten. Und seit dem 1. Januar 2022 gilt der Zuschuss des § 1a Abs. 1a BetrAVG für alle Entgeltumwandlungen, auch für die vor 2019 vereinbarten: 15 Prozent des umgewandelten Betrags, soweit Sie dadurch Sozialversicherungsbeiträge sparen. Wer diesen Zuschuss nicht leistet, schuldet ihn trotzdem – Nachforderungen kommen erfahrungsgemäß bei der Betriebsprüfung oder beim Ausscheiden eines Mitarbeiters.

Was passiert mit der bAV bei einem Arbeitgeberwechsel?

Sie verlieren nichts, was Ihnen bereits zusteht – Anwartschaften aus Entgeltumwandlung sind nach § 1b Abs. 5 BetrAVG sofort unverfallbar, arbeitgeberfinanzierte Zusagen werden es nach den Fristen des § 1b BetrAVG. Für die Zukunft haben Sie vier Möglichkeiten: Der neue Arbeitgeber übernimmt den bestehenden Vertrag und führt ihn fort – dies setzt seine Zustimmung voraus. Oder Sie nutzen den Übertragungsanspruch des § 4 Abs. 3 BetrAVG und lassen den Wert innerhalb eines Jahres nach Beendigung in die Versorgung des neuen Arbeitgebers übertragen. Oder Sie führen den Vertrag privat mit eigenen Beiträgen weiter. Oder Sie stellen ihn beitragsfrei und lassen das Guthaben bis zum Rentenbeginn stehen. Welcher Weg der beste ist, hängt von den Konditionen des Altvertrags ab – alte Verträge mit hohem Garantiezins sollten nicht leichtfertig aufgegeben werden.

Welche Durchführungswege gibt es?

Fünf: Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse und Direktzusage. Für kleine und mittlere Betriebe ist die Direktversicherung in aller Regel der pragmatische Weg – sie ist bilanzneutral, verwaltungsarm und beim Arbeitgeberwechsel am leichtesten mitzunehmen. Unterstützungskasse und Direktzusage werden vor allem für Geschäftsführer und Führungskräfte genutzt, weil sie höhere Dotierungen erlauben; dafür bleibt bei der Direktzusage eine Verpflichtung in Ihrer Bilanz stehen, mit allem, was das für Bewertung und Unternehmensverkauf bedeutet.

Wie wird die betriebliche Altersvorsorge steuerlich behandelt?

In der Ansparphase sind Beiträge über Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds nach § 3 Nr. 63 EStG bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung steuerfrei; sozialversicherungsfrei bleiben sie bis zu vier Prozent. In der Auszahlungsphase wird die Betriebsrente voll nachgelagert besteuert, und gesetzlich Krankenversicherte zahlen darauf Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung – allerdings erst oberhalb eines monatlichen Freibetrags, der jährlich angepasst wird. Diese zweite Seite wird beim Abschluss regelmäßig verschwiegen. Wir rechnen sie mit, weil die Frage, ob sich eine bAV lohnt, ohne sie nicht zu beantworten ist.

Lohnt sich eine bAV für kleine Betriebe?

Ja, aber aus einem anderen Grund als dem, der meistens genannt wird. Der Steuervorteil ist der kleinere Teil. Der größere ist der Arbeitsmarkt: In Pflege, Handwerk, Gastronomie und Medizinischen Fachangestellten-Berufen ist eine arbeitgeberfinanzierte Zusage – nicht bloß die Bereitschaft zur Entgeltumwandlung – eines der wenigen Argumente, das ein kleiner Betrieb gegen einen größeren Wettbewerber in Stellung bringen kann. Voraussetzung ist ein Versorgungswerk mit klaren Regeln: Wer bekommt was, ab wann, und was passiert beim Ausscheiden. Ohne diese Regeln wird die bAV zur Einzelfallverhandlung und damit zum Ärgernis.

Ob Sie ein Versorgungswerk aufbauen, einen Altbestand ordnen oder nur wissen wollen, ob der Pflichtzuschuss bei Ihnen korrekt läuft: Das erste Gespräch kostet nichts.